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gesund bauen – anders wohnen – besser leben

ANDERS WOHNEN

Little boxes on the hillside, Little boxes made of tickytacky. Little boxes on the hillside, little boxes all the same. There’s a pink one and a green one and a blue one and… (Malvina Reynolds)

„Wohnen“ leitet sich aus dem gotischen „wunian“ ab, und das heißt „bleiben“, „zufrieden sein“, „in Frieden sein“. Wohnen meint Bewahren, Schutz, Geborgenheit. Die Art und Weise des Bauens und Wohnens ist maßgeblich für die persönliche und gesellschaftliche Gesundheit. Einige zweckdienliche Komponenten:

Die eigene HaustürKinder vor der Haustür

Ein direkter Wohnungseingang ohne gemeinschaftliches Treppenhaus…
• verhindert viele Konflikte, die sich regelmäßig im Geschosswohnungsbau ergeben;
• gibt das Gefühl, über das Territorium vor der eigenen Schwelle verfügen zu können und zu dürfen;
• ermöglicht den schnellen und häufigen Wechsel zwischen Innen und Außen, dadurch wird der Freiraum häufiger genutzt;
• ist besonders wichtig für Kinder, die einen häufigen und raschen Kontakt mit den Eltern und das Gefühl des Rückhalts, der Geborgenheit und Sicherheit brauchen;
• fördert die Kommunikation, weil man öfter mal vor die Tür geht und mit der Wohnung im Rücken Selbstsicherheit gewinnt;
• hat möglichst auch einige Eingangsstufen, die gern zum Sitzen und Spielen benutzt werden;
• ist erst komplett mit der Bank daneben. Jahrhundertelang war es üblich, dass die Leute nach getaner Arbeit vor dem Haus saßen. Das ist ein nach außen erweiterter Wohnraum. Von hier ist die Wohnumwelt überschaubar. Unbewusst sind die Sitzenden auch immer ein bisschen Türwächter. Hier kann man mit den Nachbarn plauschen. Hier stellt sich ein wohlausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz ein: Die Intimität des Hauses ist gewahrt, von hier aus kann einem keiner in den Kochtopf schauen, aber zugleich wird soziale Nähe ausgedrückt und die Bereitschaft signalisiert, dass man Kontakt aufnehmen will.

„Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause“ (William Rogers; amerikanischer Humorist, 1879-1935)

fallobstDer eigene Garten…

• ist ein Freiraum, über den man selbst verfügen kann, den man frei gestalten kann. Es liegt in der Natur des Menschen, ein kleines Territorium als eigenes Revier besitzen und nach eigenem Geschmack gestalten zu wollen;
• ist für die gesunde Entwicklung der Kinder sehr wichtig. Das Zusammenleben mit Pflanzen und Tieren ist möglich und lernbar; das fördert das Verständnis und Gefühl für die natürlichen Lebensvorgänge. Die jahreszeitlichen Abläufe werden spürbar. Der Respekt vor anderer Leute Eigentum wird gefördert.

Das Wichtigste am Garten ist der Bereich, der vor Fremden geschützt ist und völlig entspanntes Dasein ermöglicht. Ich nenne ihn „das grüne Zimmer“, weil man mit dem Begriff „Zimmer“ Privatheit, Abgeschlossenheit, Ungestörtheit verbindet. Da möchte man nicht von Fremden beobachtet oder durch fremde Geräusche gestört werden.

Ein grünes Zimmer mit 30 Quadratmetern ist wertvoller als 1000 Quadratmeter Zierrasen mit Blumenrabatten, Natursteinterrasse, Außenkamin und Swimmingpool, wo man sein Privatleben wie auf einer Bühne den staunenden Nachbarn und Passanten zur Aufführung bringen muss. Auf die sonstigen Grünflächen, die in der Regel die Eigenheime umranden, verzichten viele Hausbesitzer gern, wenn stattdessen öffentliche Grünanlagen angelegt werden, die zum Spazierengehen einladen.

„Jeder Mensch braucht ein Stück Garten, wie klein es auch immer sein mag, so dass er in Kontakt mit der Erde und deshalb mit etwas Tieferem in ihm selbst bleibt“ (Carl Gustav Jung, schweizer Psychoanalytiker, 1875-1961)

Verona_CafeSelbstbestimmung

Wohnung hat auch etwas mit Sicherheit, Geborgenheit und Menschenwürde zu tun. Im Wohnungs- Eigentum sehen viele außerdem einen Garanten für persönliche Freiheit.

Sicherheit und Geborgenheit heißt nicht nur, dass man die Tür vor unwillkommenem Besuch verschließen und Witterungseinflüsse weitgehend aussperren kann. Dazu gehört auch die Gewissheit, dass man nicht sein Obdach los wird, weil ein anderer höhere Rechte geltend macht oder weil der Wohnraum unbezahlbar wird. Frei und sicher ist man selbst im eigenen Heim nicht, wenn die Kredite noch nicht getilgt sind oder Folgekosten das Budget sprengen.

Auch wenn Öl, Gas und Kohle in Zukunft knapp und teuer werden, muss entweder der Energiebedarf in bezahlbaren Dimensionen bleiben oder die Wohnung muss ohne diese Brennstoffe warm werden.

Die Kosten für Instandhaltung und Reparaturen müssen in verträglichen Grenzen bleiben. Risiken liegen aus heutiger Sicht zum Beispiel in umweltschädigenden Baustoffen und Bauelementen, deren Entsorgungs- oder Deponiegebühren einmal höher sein werden als die heutigen Anschaffungskosten.

Die Versorgung mit Wasser und Strom muss zu erträglichen Preisen gesichert sein, auch die Abwasserbehandlung. Wer Regenwasser nutzt, eine Komposttoilette betreibt, Abwasser in der eigenen Pflanzenkläranlage reinigt, den Strom aus Sonnenlicht selbst macht und mit Sonnenkraft (direkt oder aus Holz und Pflanzen) oder Erdwärme heizt, der kann den kommenden Zeiten ziemlich gelassen entgegensehen.

Selbstbestimmung fängt bei der Bauleitplanung der Gemeinden an. Die besten Siedlungen entstehen, wenn die Bewohner mitplanen. Bei der Erstellung der Bebauungspläne – das sind die Vorschriften der Politik – sollten die Bauwilligen beteiligt sein. Ein schöner Nebeneffekt: so lernen sich die Bauherren eines Neubaugebiets schon vor dem Einzug kennen und können sich passende Nachbarn aussuchen.

„Dank einer ausgeprägten Beobachtungsgabe, die vielleicht stärker ist als mein Sinn für Humor, möchte ich das Überleben des Individuums in einer Umwelt hervorheben, die mehr und mehr entmenschlicht wird“ (Jaques Tati, französischer Komiker, Schauspieler, Filmemacher und Architekturkritiker – siehe „Playtime“ – 1908–1982)

GartentorGesund bauen und leben

Gesundheit ist definiert als ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur als Fehlen von Krankheit und Gebrechen. Ob der Mensch sein Grundrecht auf das persönlich erreichbare Höchstmaß an Gesundheit verwirklichen kann, ist in hohem Maße von der Wohnung und ihrer Umgebung abhängig – vom Gebäude, von der bebauten und unbebauten Landschaft und auch von den Nachbarn und der Art, wie die Menschen miteinander umgehen. Damit der Mensch sich rundum wohl fühlen kann in seiner Behausung, muss die Wohnung
• vor Lärm, Erschütterungen, Feuchtigkeit, Staub, Ruß, Abgasen, Benzoldämpfen, elektromagnetischen Feldern, Mikrowellenbestrahlung, Radioaktivität und giftigen Ausdünstungen aus Baustoffen schützen,
• eine behagliche und hygienische Heizung mit einem hohen Anteil an Strahlungswärme und wenig Staubaufwirbelungen haben,
• gut belüftet werden können und genügend Sonnenlicht hereinlassen,
• und bequem und sicher zu benutzen sein, zum Beispiel müssen Treppen leicht und gefahrlos begehbar sein. Ersatzweise müssen Aufzüge und Rampen zur Verfügung stehen. Nicht nur für „die Behinderten“ – die amtlich anerkannten. Kinderwagen, Gipsbein oder schwere Einkaufstaschen zum Beispiel machen jeden zum Behinderten, der damit in den vierten Stock laufen muss. Kücheneinrichtungen sollten eine aufrechte Haltung beim Arbeiten fördern und gemeinsames Kochen ermöglichen.
• Nicht nur die Stoffe, wie sie im Haus eingebaut sind, können schädlich sein. Es gibt Materialien, die könnte man essen, ohne krank zu werden, aber für die Herstellung werden giftige Substanzen verwendet, die in die Atmosphäre gelangen und uns ständig in kleinen Dosierungen belasten.
• Dem Gewissen tut es gut, wenn man berücksichtigt, dass die Gesundheit derjenigen sehr leidet, die bei der Produktion mit schädlichen Ausgangsstoffen in Berührung kommen oder unter menschenunwürdigen Bedingungen unsere Baumaterialien produzieren, wie zum Beispiel Kinder in indischen Steinbrüchen.

„Man soll sich mehr um die Seele als um den Körper kümmern, denn Vollkommenheit der Seele richtet die Schwächen des Körpers auf, aber geistlose Kraft des Körpers macht die Seele nicht besser“ (Demokrit)

Soziales LebenSoziales Leben

Hausbau hört nicht am Gartenzaun auf. Ein großes Wohnzimmer, Süd-Terrasse und Doppelgarage machen den Menschen auf Dauer allein nicht glücklich. Zum gesunden Bauen, Wohnen und Leben gehören auch die Beziehung der Menschen zu ihren Nachbarn. Wer gesund wohnen will, lässt nicht nur Montageschaum, PVC-Belag und Kunstharzlack im Baumarkt stehen, sondern entscheidet sich verantwortungsbewusst auch für eine flächensparende Bauform, um eine sinnvolle Lage des Baulands mit guter Verkehrsanbindung und um gute Rahmenbedingungen für soziales Leben.

Soziales Leben braucht Kristallisationskerne, sprich: Gelegenheiten. Das kann zum Beispiel ein Brunnen sein, die Dorflinde mit der Sitzbank oder der Spielplatz. Sitzgelegenheiten mit Überdachungen oder berankte Pergolen mit Bänken vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit, aus dem heraus leicht soziale Kontakte geknüpft werden können.

„Eine freundliche Atmosphäre in Deinem Haus ist die beste Grundlage für Dein Leben“ (Dalai Lama XIV)

Harmonie mit der Umwelt

Die Erde wäre für Menschen nicht bewohnbar, wenn nicht Bäume und Meeresplankton große Mengen Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen und in Sauerstoff umgewandelt hätten. Wir machen diese Entwicklung rückgängig, wenn wir Erdöl, Gas und Kohle verheizen. Wir könnten so bauen und leben, dass wir ohne diese Energiequellen auskommen. Das gilt sowohl für die Heizung als auch für die Herstellung der Baustoffe und den Verkehr. Für private PKW-Fahrten wird ebensoviel Energie verbraucht wie für die Heizungen, der Anteil steigt aber.

In der BRD entstehen jährlich mehr als 100 Millionen Kubikmeter Bauschutt. Gebäude, die vor 30 Jahren für die Ewigkeit gebaut worden sind, landen heute auf der Müllkippe, weil sie den veränderten Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Wir können uns diesen Umgang mit begrenzten Ressourcen nicht leisten und wir können ihn nicht verantworten. Wir müssen Bausysteme einsetzen, die variabel sind. Und wir müssen Bauteile und Baustoffe einsetzen, die wiederverwendbar sind.

Der technische Ausbau von Gebäuden veraltet immer schneller. Die Haustechnik in Büros der 60er Jahre ist heute austauschbedürftig, in 20 Jahren wird die heutige Technik veraltet sein. Dann muss man die Technik austauschen können, ohne das Gebäude zu zerstören. Variab
ilität ist gefragt, die Eigenschaft eines Gebäudes, Nutzungs- oder Verhaltensänderungen zuzulassen. Die Alternative zur Variabilität ist Abbruch und Neubau.

Es ist auch höchste Zeit, dass wir den Boden, ebenso wie Luft und Wasser, als eine lebensnotwendige Ressource betrachten, als ein nicht beliebig veräußerbares Gut, das unter anderem Voraussetzung ist für einen nachhaltigen Natur- und Umweltschutz, sowie einen funktionierenden Artenschutz, von dem Erhalt unserer eigenen Lebensgrundlage ganz zu schweigen.

Wer ökologisch bauen will, lässt nicht nur Styropor-Dämmplatten, PVC-Böden und Aluminium-Haustür im Baumarkt stehen, sondern kümmert sich auch um eine günstige Bauform, eine sinnvolle Lage mit guter Verkehrsanbindung und gute Rahmenbedingungen für soziales Leben.

„Doppelhaushälfte – auch ein Jahrhundertwort. Doppelhaushälfte. Von deutschen Architekten erfunden für den deutschen Bausparer. Doppelhaushälfte. Der Aufstieg des deutschen Bausparers vom R(rrrr)eihenhausendstück in die Doppelhaushälfte. Großartig! Doppelhaushälfte – da ist der ganze Betrug dieser Welt in einem Wort konzentriert. Der Deutsche mag nicht kürzen – Doppelhaushälfte. Wunderbar!“ (Matthias Deutschmann, Kabarettist)

PavillonBezahlbare Häuser

Bauland ist dort am billigsten, wo es an allem fehlt, was man zum Leben braucht. Die Ansprüche an die Lebensqualität werden weiterhin in der Stadt befriedigt. Die alten Zentren können aber ihrer Funktion nicht mehr gerecht werden, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung in schlecht versorgten Schlafsiedlungen wohnt. Diese Menschen sind ständig auf das Auto angewiesen. Das ist ein starker Kostenfaktor für die privaten Haushalte, aber auch für die öffentliche Hand und die Gewerbetreibenden, die Straßen und Stellplätze bezahlen müssen.

Bei der Standortwahl und Ausrichtung ist zu beachten, dass ein freistehendes Einfamilienhaus in exponierter Lage einen doppelt so hohen Heizwärmebedarf hat wie ein Reihenhaus in geschützter Lage. In älteren Einfamilienhäusern werden um die 3.000 Liter Heizöl pro Jahr verbraucht, etwa 25 Liter je Quadratmeter Wohnfläche. Ein Passivhaus braucht 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr; soviel wie ein sportliches Familienauto für die Strecke München – Berlin und zurück. Aber man kann sein Haus auch ohne Heizung gemütlich warm halten.

Bei Baulandpreisen von 200 Euro je Quadratmeter muss der Eigenheimer heute mehr als 100.000 Euro für den Boden aufwenden, wenn das Haus frei stehen soll. In flächensparend dicht bebauten Wohngebieten lassen sich davon bis zu 80.000 Euro einsparen.

Beim freistehenden Eigenheim kostet das Abstandsgrün zur Grenze leicht 25.000 Euro für den Boden; dazu kommt die Bepflanzung, der Gartenzaun und zusätzliche Anliegerbeiträge. Eine Doppelgarage mit Zufahrt schlägt mit 70 qm Flächenverbrauch, Bau- und Grundstückskosten über 30.000 Euro und einer monatlichen Mehrbelastung von 250 Euro und mehr zu Buche – eine starke Belastung für die jungen Familien, die bevorzugt die billigen Grundstücke an den Dorfrändern besiedeln.

Ein Haus in Eigenregie bauen zu lassen, ist günstiger als ein Fertighaus, bzw. fertiges Haus vom Bauträger zu erstehen. Immobilienhändler verlangen Marktpreise, egal wie billig die Herstellung war. Wer selbst baut, spart in die eigene Tasche.