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Fahrradpiste unter der U1 – wie finden Sie die Idee?

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Der Tagesspiegel am 20.11.2015: Stadtentwicklung in Berlin-Kreuzberg Architekten schlagen einen Schnellweg für Radler unter der Kreuzberger Hochbahntrasse vor. Der ADFC lobt die Idee, sieht aber die bauliche Umsetzung mit Skepsis. | Pascale Müller

Das Projekt „Radbahn“ möchte Berlins ersten (weitestgehend) überdachten Radweg realisieren Quelle: Tagesspiegel

Kommentar

Ein Dach über dem Radweg macht das Radeln bei Sauwetter sicher angenehmer.

Aber die Fußgänger lässt man im Regen stehen?

Als Neu-Berliner habe ich mir hier ganz schnell das Radfahren abgewöhnt. Berlin ist chaotisch und gefährlich. Ich bin vorher anderswo sehr viel Fahrrad gefahren, mein Auto habe ich im vergangenen Jahrtausend abgeschafft. Nun gehe ich zu Fuß oder fahre Bahn oder Bus. Natürlich nervt es mich auch, dass für den durchschnittlichen Berliner Radfahrer ein Fußweg ein Radweg ist, wenn es das Vorankommen erleichtert. Aber im Grunde ist es eine lebensverlängernde Maßnahme, sich als Radfahrer vom Autoverkehr fernzuhalten. Berliner Autofahrer sind im Durchschnitt etwas zu schnell, ein bisschen überfordert, ziemlich gestresst und viel zu aggressiv.

Berliner Verantwortungsträger und Berliner Auto- und Radfahrer sollten eine hier anscheinend völlig unbekannte Tatsache zur Kenntnis nehmen: ein Fahrrad ist ein Fahrzeug und keine Gehhilfe. Wir haben jede Menge Fahrbahnen in Berlin und Straßen sind nicht erfunden worden, um vorrangig Autos darauf fahren und abstellen zu können.

Die Radwege zwischen den parkenden Autos und den Fußgängerreservaten sind eine gefährliche Angelegenheit (abbiegende LKW, toter Winkel, etc.) und sie sind mit Schuld an den außerordentlichen Angewohnheiten der Berliner Radfahrer. So müssen sich Radfahrer an den Kreuzungen wie Fußgänger verhalten, insbesondere beim eigentlich gewollten Links-Abbiegen. Wer sich als Radfahrer korrekt auf der Straße bewegt und z.B. zum Linksabbiegen ordnungsgemäß die richtige Fahrspur wählt, der wird von Berliner Autofahrern häufig übel beschimpft, behindert oder gefährdet.

Also: Radfahrer gehören auf die Fahrbahn. Und damit sie da ihre Lebenserwartung nicht verkürzen müssen, dürfen die Geschwindigkeitsunterschiede der Fahrzeuge nicht zu groß sein. Tempo 30 für Alle würde Straßen sicherer und das Fahren stressfrei machen, Staus vermeiden und mehr Berlinern aufs Fahrrad helfen.

Ein Kommentar

  1. Hat schon irgendjemand davon gehört, dass ein Toter wieder lebendig geworden ist, weil man andauernd den Sargdeckel geöffnet hat und die immer gleiche Beschwörungsformel „reingeleiert“ hat?
    Ich jedenfalls nicht. Und genauso ist es mit dem Fahrradweg unter der U-Bahntrasse. Wer die Strecke kennt und nur eine einzige Minute nachdenkt, braucht darüber nicht mehr zu reden. Es gibt dutzende Querungen an Straßenkreuzungen und Einmündungen.
    Abgesehen von den Kosten für einen Umbau damit die „umweltbewußten“ Radfahrer nicht jedes Mal einen Bordstein runter und wieder rauf müssten, können wir nicht auf diese Querungen verzichten.
    Es geht hierbei nicht nur um die „umweltzerstörenden“ Autofahrer, sondern auch um die „rücksichtslosen“ Fußgänger. Diese müssen gelegentlich auch mal auf die andere Seite der Trasse. Gar nicht auszudenken, wenn sie dann auch noch zu den „egoistischen“ U-Bahnnutzern gehören und zu einem Eingang der Bahnhöfe wollen.
    Ironie beiseite: auf Straßenebene ist dies nicht händelbar. Eine eigene „Fahrbahn“ unter die Konstruktion der U-Bahn zu hängen, wie es einige Fantasten auch schon entworfen haben ist irreal. Das zusätzliche Gewicht der Konstruktion und der maximal möglichen Radfahrer (Körpergewichte plus Räder) wäre betriebssicher nicht mit den vorhandenen Stützen zu halten. Zusätzliche Stützen würden den nutzbaren Raum extrem einschränken und die Kosten ins Wahnsinnige treiben.

    Sollte jetzt jemand den Standardsatz „das wäre aber sinnvoll angelegtes Geld“ aus der Rhetorikwaffenkammer hervorkramen disqualifiziert sich nach meiner unmaßgeblichen Meinung selber aus jeder Diskussion. Eine solche Sicht kann nur vertreten, wer eine Grundhaltung wie sehr unangenehme, leider immer noch nicht überwundene, politische Kräfte der Vergangenheit hat. Zu meinem großen Erschrecken habe ich tatsächlich bereits mehrfach von „engagierten“ Radfahrern Aussagen zu ihrer Verkehrsteilnahme anhören müssen, bei denen mir nur noch das Wort Herrenmensch eingefallen ist. ….Rote Ampeln sind nur für Autofahrer….Fußgänger müssen den Gehweg freimachen…..Eltern müssen Ihre Kinder vom Radweg weghalten…… BVG-Fahrgäste müssen dem Radfahrer die SCHNELLE Durchfahrt ermöglichen…etc. Diese Liste könnte ich noch sehr lange fortsetzen. Sicherlich ist der größte Teil der Radfahrer vernünftig, Hörbar sind aber leider nur die Rambo’s und Extremisten. Selbst die vermeintlich seriösen Interessenvertreter lassen immer nur rücksichtslose Maximalforderungen raus. Ich lebe seid meiner Geburt in dieser Stadt. In meinen Kinder- und Jugendjahren bin ich in meiner Freizeit ausschließlich mit Fahrrad gefahren. Wege zur Schule und zum Sport habe ich mit Bus und U-Bahn zurückgelegt. Im Erwachsenenalter kamen Motorroller, Motorrad und Auto dazu. Ich nutze alle Verkehrsmittel je nach Entfernung und Anlaß. Als völlig bescheuert werde ich von einigen Bekannten bezeichnet, weil ich auch noch so manche Strecke ausschließlich laufe. (Kleiner Tipp für alle die mal völlig erstaunte Gesichter sehen wollen: Wenn Fußgänger an einem Zebrastreifen stehen – als Kraft- oder Radfahrer einfach mal stehen bleiben. Besonders im Bereich der großen Plattenbaughettos werden Euch die Fußgänger mit einer Mischung aus argwöhnischem Mißtrauen und fassungsloser Orientierungslosigkeit ansehen) Der Mix der Verkehrsmittel und die freundliche gegenseitige Rücksichtnahme ist es, was diese unsere Stadt braucht. Nicht den prophetischen Alleinseligmacher-Anspruch einzelner „Gutmenschen“.
    In diesem Sinne ein freundliches „komm gut an Dein Ziel“.

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