habito

gesund bauen – anders wohnen – besser leben

20. November 2015
von thobit
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Fahrradpiste unter der U1 – wie finden Sie die Idee?

Der Tagesspiegel am 20.11.2015: Stadtentwicklung in Berlin-Kreuzberg Architekten schlagen einen Schnellweg für Radler unter der Kreuzberger Hochbahntrasse vor. Der ADFC lobt die Idee, sieht aber die bauliche Umsetzung mit Skepsis. | Pascale Müller

Das Projekt „Radbahn“ möchte Berlins ersten (weitestgehend) überdachten Radweg realisieren Quelle: Tagesspiegel

Kommentar

Ein Dach über dem Radweg macht das Radeln bei Sauwetter sicher angenehmer.

Aber die Fußgänger lässt man im Regen stehen?

Als Neu-Berliner habe ich mir hier ganz schnell das Radfahren abgewöhnt. Berlin ist chaotisch und gefährlich. Ich bin vorher anderswo sehr viel Fahrrad gefahren, mein Auto habe ich im vergangenen Jahrtausend abgeschafft. Nun gehe ich zu Fuß oder fahre Bahn oder Bus. Natürlich nervt es mich auch, dass für den durchschnittlichen Berliner Radfahrer ein Fußweg ein Radweg ist, wenn es das Vorankommen erleichtert. Aber im Grunde ist es eine lebensverlängernde Maßnahme, sich als Radfahrer vom Autoverkehr fernzuhalten. Berliner Autofahrer sind im Durchschnitt etwas zu schnell, ein bisschen überfordert, ziemlich gestresst und viel zu aggressiv.

Berliner Verantwortungsträger und Berliner Auto- und Radfahrer sollten eine hier anscheinend völlig unbekannte Tatsache zur Kenntnis nehmen: ein Fahrrad ist ein Fahrzeug und keine Gehhilfe. Wir haben jede Menge Fahrbahnen in Berlin und Straßen sind nicht erfunden worden, um vorrangig Autos darauf fahren und abstellen zu können.

Die Radwege zwischen den parkenden Autos und den Fußgängerreservaten sind eine gefährliche Angelegenheit (abbiegende LKW, toter Winkel, etc.) und sie sind mit Schuld an den außerordentlichen Angewohnheiten der Berliner Radfahrer. So müssen sich Radfahrer an den Kreuzungen wie Fußgänger verhalten, insbesondere beim eigentlich gewollten Links-Abbiegen. Wer sich als Radfahrer korrekt auf der Straße bewegt und z.B. zum Linksabbiegen ordnungsgemäß die richtige Fahrspur wählt, der wird von Berliner Autofahrern häufig übel beschimpft, behindert oder gefährdet.

Also: Radfahrer gehören auf die Fahrbahn. Und damit sie da ihre Lebenserwartung nicht verkürzen müssen, dürfen die Geschwindigkeitsunterschiede der Fahrzeuge nicht zu groß sein. Tempo 30 für Alle würde Straßen sicherer und das Fahren stressfrei machen, Staus vermeiden und mehr Berlinern aufs Fahrrad helfen.

27. März 2015
von thobit
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Ich bin für Gerechtigkeit

DIE ZEIT vom 26. März 2015:

25. November 2014
von thobit
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Bankzentrale entsteht am Ernst-Reuter-Platz

Der Tagesspiegel am 25.11.2014:

Sieben Etagen, Platz für 2500 Mitarbeiter: Für die Deutsche Bank wächst jetzt ein Neubau am Ernst-Reuter-Platz heran. Zusammen mit dem benachbarten Hochhaus soll daraus 2016 die Berliner Zentrale werden | von

http://www.tagesspiegel.de/images/visualisierung1_neubau_deutsche_bank_otto_suhr_allee_berlin_perspektive_otto-suhr-allee_hpp-architekten___on3studio_gmbh/11033178/2-format6001.jpg

Quelle: Der Tagesspiegel

Blüten (Leserbrief)

„Die City West blüht weiter auf“. Ach ja, wirklich? Interessant. Auf den ersten Blick hätte ich die dargestellten Fassaden überhaupt nicht mit dem Begriff „Blühen“ in Verbindung gebracht. Auf den zweiten auch nicht.

Mir scheint, dass der Text auf Inspirationen aus der Presseabteilung des Bauträgers basiert. Dort assoziiert man Blühen mit Beton und Geld, aber weniger mit Leben, Wachsen, Gedeihen, Schönheit.

Gut, dass sie am Ernst-Reuter-Platz bauen. Den haben wir fühlenden und sehenden Wesen längst abgeschrieben und meiden ihn so gut es irgend geht. Die Deutsche Bank übrigens auch. Meiden wir.

17. November 2014
von thobit
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Ohne Aufzug kein Einzug

Der Tagesspiegel vom 17.11.2014: Barrierefreies Wohnen — Ohne Aufzug kein Einzug Von Alexander Riedel

Die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum steigt. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe sieht bereits heute eine große Versorgungslücke in der Hauptstadt.
Schon wenige Stufen können für Senioren mitunter eine unüberwindbare Hürde auf dem Weg in ihre Wohnung darstellen. Die Lösung? Na klar, ein Fahrstuhl. Eine bundesweite Studie mit dem Titel „Aufzugsarmut: Wie altersgerecht sind Deutschlands Wohnhäuser?“ schlägt jetzt Alarm. Für Berlin konstatieren die Autoren, dass perspektivisch 10.600 Wohngebäude nachgerüstet werden müssten. Zwar führe zu rund 45 Prozent der Wohnungen bereits ein Aufzug, doch nur in jedem vierten Fall sei dieser auch stufenlos erreichbar – womit Berlin im Vergleich der deutschen Metropolen aber noch gut dastehe.
Investitionen von 848 Millionen Euro seien dennoch nötig. Weiter: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ immobilien/barrierefreies-wohnen-ohne-aufzug-kein-einzug/10978514.html

Nicht so einfach (Leserbrief)

Das Problem ist nicht das Geld, sondern die Konstruktion. In den meisten Häusern liegt das Treppenhaus zur Straßen-, bzw. Haustürseite und oft findet man die Hochparterre-Situation, die daher rührt, dass das Zwischenpodest der Treppe zum Obergeschoss über dem Hauseingang liegt und der Zugang deshalb 4 oder 5 Stufen tiefer als das Erdgeschoss liegen muss. Die Aufzugtüren müssen aber auf der Höhe der Wohnungen liegen. Die Wohnungseingänge befinden sich aber an der Innenseite des Treppenhauses, wo man keinen Aufzug einbauen kann, ohne den Wohnungen etwas wegzunehmen, und das ist fast nicht möglich, solange dort jemand wohnt.

Wenn Platz vorhanden ist, kann man einen Aufzug frei vor die Fassade stellen – an der Straßen- oder Hofseite und die Wohnungszugänge da hin verlegen. Das ist mit Bewohnern nicht so einfach zu machen. Die Treppe muss dann insgesamt neu gebaut werden, nämlich so, dass die Zwischenpodeste innen liegen. Zwischenpodeste sind aber nicht möglich, wenn ein Hausdurchgang nötig ist; dann müssten einläufige Treppen eingebaut werden, die mit den notwendigen 18 oder mehr Stufen eigentlich nicht zulässig sind.

Die Kosten für den Aufzug werden in den meisten Fällen den kleineren Teil der Gesamtkosten für barrierefreien Umbau ausmachen.

13. Oktober 2014
von thobit
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„Hardenberg“ am Bahnhof Zoo: So soll Berlins größtes Hochhaus aussehen

Der Tagesspiegel am 13.10.2014:

Berlin plant immer neue Türme – nun soll am Bahnhof Zoo mehr als 200 Meter hoch gebaut werden. Der Bezirk ist skeptisch, der Senat irritiert. Aber der Entwurf von Architekt Christoph Langhof findet viele Fans in der City West | von

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/images/hardenberg_promo/10833712/1-formatOriginal.jpg

Quelle: Der Tagesspiegel

Kommentar

Stinkefinger
In Häusern dieser Höhe wird die Relation von Nutzfläche zu Verkehrs- und Konstruktionsfläche sehr ungünstig, also der Miet- oder Kaufpreis relativ hoch.
Aber es findet sich sicher jemand der es nötig hat, sich in solch einer Erektionsarchitektur darzustellen, und irgendwer schaut wahrscheinlich auch hin, so wie zu den Persönlichkeitsprothesen, die lautstark über den Kuhfürstendarm rollen und deren Sinnhaftigkeit in PS gemessen wird.

Komplexe
„Die Innenstadt verwandelt sich von einem Lebensraum in ein begehbares Anlagedepot“ … „…es entstehen am Ende fast immer vollkommen dysfunktionale Gebäude, die auch gar nicht als Bauten, sondern als – unter großen Opfern eventuell bewohnbare – Kunstwerke wahrgenommen werden wollen. Sie bedienen den Markt der Superzeichen, mit denen sich Auftraggeber […] gern ein Denkmal ihrer Prosperität und Dynamik setzen. …aufwendiger Kitsch…“ – das schreibt Niklas Maak in dem vor zwei Wochen erschienenen Buch „Wohnkomplex – warum wir andere Häuser brauchen“. Und das ist auch meine Sicht der Dinge nach 35 Jahren erlebter, erlittener und praktizierter Architektur.

Alternative
Was dem Hardenbergplatz meines Erachtens gut tun könnte, wäre zum Beispiel ein Gebäude, das wie ein Tor den Platz in Richtung Nordosten abschließt, also optisch verkleinert, aber die Durchfahrt für Autos und Busse im jetzigen Umfang beibehält. Und das Ganze stelle ich mir im baulichen Zusammenhang mit einer Tiefgarage hinten unter dem Busparkplatz vor.

Solitär. Einsame Spitze.
Mein Problem mit dem Entwurf ist nicht, dass es ein Hochhaus ist, sondern dass es wie Piefkes Bude im Schrebergarten steht und sich einfach nur selbst gefällt. Der Platz vor dem Bahnhof gewinnt damit gar nichts und das urbane Leben auch nicht.
Was moderne Architektur heute gemeinsam hat, ist der Ausdruck der Abneigung gegenüber der gebauten und lebenden Umwelt, so scheint es mir oft und auch bei diesem Projekt.

25. Juni 2014
von thobit
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Mülltrennung? Hundelokus!

Viele Verpackungen sind überflüssig. Aber in Berlin zum Beispiel wird allen Ernstes erwogen, eine Hundekotbeutelpflicht zu erlassen, also täglich! 55 t Hundedreck in circa 200.000 Portionsbeutelchen verpacken zu lassen.

Meines Erachtens macht es aus ökologischer Sicht grundsätzlich keinen Sinn, Dreck, Abfall oder Wertstoffe in Kunststoffbeutel verpackt zu entsorgen. Wer pult dann die Hundescheiße aus den Plastiktütchen, legt die tierischen Produkte zum Biomüll oder Kompost, säubert die Tütchen (mit Trinkwasser und Reinigungsmittel?) und gibt sie zum Recyceln, damit zum Beispiel Yoghurtbecher daraus gemacht werden?

Einfacher wäre es meines Erachtens, den Hunden anzugewöhnen, an bestimmten Stellen ihre Produkte abzulegen, wo sie weniger störend sind, wie z.B. im Rinnstein oder in klar definierten Hundeklos, wo sie von der Straßenreinigung leicht geerntet werden können. Für Notfälle, wenn ausnahmsweise doch mal etwas daneben geht, könnten Tüten aus Wachspapier genommen werden, die biologisch abbaubar sind (die Plastiktüten sind es kaum).

15. Januar 2014
von thobit
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„Schleichende Veränderung des Stadtbilds – wird Berlin gesichtslos?“

Eingeladen war zu einer Veranstaltung mit dem Titel

„Schleichende Veränderung des Stadtbilds – wird Berlin gesichtslos?“

Nun berichtet der Tagesspiegel über diese Veranstaltung unter der Überschrift

„Weniger Stuck, Schnörkel und Ornamente – Verschwinden Berlins schöne Häuserfassaden?“

Es ging tatsächlich nicht um das Stadtbild, sondern nur um Fassadendämmung an denkmalschutzwürdigen Häusern. Schade. Schöne Fassaden sollten selbstverständlich erhalten bleiben, aber sie allein machen nicht das Stadtbild.

Die „schleichende Veränderung des Stadtbilds“ in Richtung Gesichtslosigkeit beruht auf wesentlicheren Merkmalen. Als Beispiel möchte ich die Show-, Protz- und Kulissenarchitektur am Pariser, Leipziger und Potsdamer Platz oder beim Café Kranzler und anderswo nennen, die aus Berlin eine andere Stadt machen. Früher unverwechselbar gestaltete Läden und Gastronomie weichen Konzernfilialen mit global einheitlichem Corporate-Identity-Design.

Die Gaslaternen sollen verschwinden. Sitzbänke im öffentlichen Raum gibt es kaum noch, weil wer sitzen will, konsumieren soll. Zum Stadtbild gehören die Menschen und die Art, wie sie in der Öffentlichkeit agieren. Sehr viele gehen nur noch gesenkten Hauptes durch die Stadt. Nicht, weil die Fassaden hässlich wärmegedämmt wurden, sondern weil das interessantere Leben auf dem Diplay des Smartphones stattfindet. Nahrungsaufnahme muss immer häufiger im Gehen erledigt werden, für Ruhe fehlt die Zeit – man muss noch schnell die E-Mails checken und die Welt retten.

Die Hochgeschwindigkeits-Multitasking-Gesellschaft von heute hat nichts mit dem Bild von Berlin zu tun, was mir von den ersten Besuchen in dieser wunderbaren Stadt in den 70er Jahren in Erinnerung geblieben ist. Noch ein Beispiel: was ist auf fast allen neuzeitlichen Bildern von Berlin am häufigsten zu sehen? Autos. Die prägen das Stadtbild und die Geräuschkulisse, und der Straßenbau hat Berlin verändert und wird es weiter tun, aber nicht immer zum Vorteil.

3. Dezember 2013
von thobit
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Kleines Haus, große Wirkung?

DIE ZEIT am 3. Dezember 2013: Design zum Selbstkostenpreis, das war das Motto seiner Hartz-IV-Möbel. Jetzt baut der Aktivist Van Bo Le-Mentzel ein Vier-Quadratmeter-Haus auf einem Autoanhänger. Von Lara Sielmann

Das Unreal Estate House steht in Berlin Kreuzberg. © Benjamin Heck Quelle: DIE ZEIT

Kommentar

Ein eigenes Haus mit 4 qm Wohnfläche, Heizung und Kochstelle ist besser, als auf der Straße zu liegen. Gut, dass jemand sich Gedanken über die Lebensqualität der nicht systemrelevanten Menschen macht. Die Mehrheit der Bürger und Politiker wird aber dafür sorgen, dass diese Häuser aus ihrem Blickfeld verschwinden. So, wie sie Ruhebänke im öffentlichen Raum so konstruieren, dass man nicht mehr darauf schlafen kann.

Zwischen Parkbank, „Unreal Estate House“ am einen Ende der Skala und 500-qm-Carloft-Penthouse mit Bentley vor dem Speisesaal am anderen gibt es viele Möglichkeiten. Als Architekt bin ich immer wieder überrascht, wie wenig private Bauherren und Mieter in der Lage sind, ihre ganz eigene Vorstellung von Wohnqualität zu entwickeln. Wohnqualität wird in Quadratmetern gemessen, wie Mobilität in PS.

Vernünftige durchdachte Architektur kann auf weniger Wohnfläche mehr Lebensqualität erzeugen. Die üblichen Wohnungsgrundrisse und die Kisten aus dem Möbelmarkt verschwenden zuviel Platz, der Vielen zu viel kostet. Für 12 qm Flur in einer 70-qm-Wohnung, der für nichts weiter taugt, als zum Durchgehen, jeden Monat 100 Euro ausgeben zu müssen, ist ein Ärgernis, insbesondere, wenn man dank Van Bo Le-Mentzel jetzt weiß, dass auf dieser Fläche drei Menschen wohnen könnten.

14. September 2011
von Paul
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Schöner bauen mit der Baugruppe

Die Deutsche Welle berichtet heute:

Schöner bauen mit der Baugruppe

Der Traum vom Häuschen im Grünen scheint ausgedient zu haben. Überall in Deutschlands Innenstädten tun sich Menschen zusammen, um in Eigenregie Häuser zu planen. Ohne Investoren, die die Preise in die Höhe treiben.

Eine Baustelle wie jede andere: Bagger heben ein Loch aus, Kräne transportieren Steinplatten, Arbeiter balancieren auf Gerüsten. Das Besondere ist für Uneingeweihte nicht zu erkennen: Das Haus, das hier entsteht, wurde von einer Baugruppe geplant. Utz Ingo Küppers steht zwischen Pfützen und Betonmischmaschinen und weist auf einen Rohbau, sein künftiges Zuhause. Im Frühjahr nächsten Jahres sollen hier 30 Erwachsene und 20 Kinder einziehen. Ihr gemeinschaftlich entworfenes Traumhaus entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen Kinderheims in Köln-Sülz.

Der 69-jährige Rentner und ehemalige Leiter des Stadtentwicklungsamtes in Köln hat sich vor drei Jahren mit 16 Gleichgesinnten zu einer Baugruppe zusammengetan. Alle Mitglieder verband die Vision von einem Wohnraum, der auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten ist, und in dem sie sich ihre Nachbarn selbst aussuchen können. „Es gibt einen Gruppenraum, eine Gästewohnung, gemeinsame Waschräume und eine Dachterrasse, die wir uns teilen“, sagt Küppers. Es soll ein Modell werden für ökologisches, soziales und erschwingliches Wohnen – mitten in Köln. Der Quadratmeterpreis ist mit 3000 Euro zwar alles andere als ein Schnäppchen, aber Investoren verlangen in gleicher Lage bis zu 5000 Euro.

Eine Idee wandert durch Deutschland

Baugruppen wie die von Utz Ingo Küppers erleben in Deutschland derzeit einen Boom. Eigentlich kommt die Idee schon aus den 80er Jahren. Damals wurden in der Hamburger Hafenstraße oder in Berlin-Kreuzberg aus illegalen Haubesetzern genossenschaftlich organisierte Hausbesitzer. Politisch Links sind die privaten Bauherrn allerdings nicht, eher pragmatisch. Es zieht sie vornehmlich in gute Lagen. Dorthin, wo sie sich sonst keine Eigentumswohnung leisten können. Zur Hauptklientel zählen Akademiker und Selbständige aus den gestaltenden Berufen, wie eine Studie der Zeitschrift „Bauwelt“ herausgefunden hat. Das ruft erste Kritiker auf den Plan, die eine Gentrifizierung befürchten, weil einkommensstarke Schichten einkommensschwache verdrängen könnten.

Los ging der Trend in Freiburg und Tübingen, wo ganze Stadtviertel nach diesem Beispiel in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Dann wanderte die Idee durch die Republik. In Berlin meldet das Wohnprojekte-Webportal mehr als 130 Bauprojekte im Stadtgebiet, die in privater Initiative ins Leben gerufen werden. Das entspricht rund einem Drittel aller Neubauten innerhalb des S-Bahn-Rings.

Leben, wo das Leben spielt

Als potentielles Baugruppen-Mitglied sieht Almut Skriver die Familie, in der beide Eltern berufstätig sind. „Für die ist das Leben mit Kindern schwer zu organisieren. Die neue Familie möchte am kulturellen Leben teilnehmen und nicht in der Vorstadt versauern“, sagt Skriver, die am Haus der Architektur in Köln das Netzwerk Baugemeinschaften gegründet hat. Als Ziel vieler Baugruppen nennt die Architektin den Wunsch, eine dörfliche Gemeinschaft in der Stadt wiederzufinden. Nach dem Motto: man kennt sich, man hilft sich.

Bei vielen Mitgliedern stehen finanzielle Überlegungen im Vordergrund. „In der Gruppe baut es sich um gut 20 Prozent billiger – verglichen mit Eigentumswohnungen oder Reihenhäusern, die Bauträger erstellt haben“, sagt Thomas Luzcak, der als Architekt die Baugruppe in Köln betreut. Doch auch Idealismus spiele eine Rolle. „Damit kündigt sich möglicherweise das Ende einer nur am Egoismus orientierten Lebens- und Denkweise an“, meint Luczak.

Nicht von der Stange wohnen

Utz Ingo Küppers steckt viel Zeit und Energie in die Baugruppe. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge spricht er von einer halben Stelle, allerdings ehrenamtlich. Als sich die Kerngruppe vor drei Jahren bildete, waren vor allem Architekten und Stadtplaner von der Partie, die von der Idee beseelt waren, das Wohnen in der Stadt neu zu definieren. Dabei mussten einige Hürden genommen werden. Der erste Wettbewerb, den die Baugruppe als Entwurf mit fertiger Finanzierung bei der Stadt Köln einreichte, fiel durch. Daraufhin sprang nicht nur die Hälfte der Mitglieder ab, es wurde auch schon viel Zeit und Geld investiert.

Beim zweiten Anlauf klappte es zwar, doch durch die gestiegenen Kosten änderte sich die soziale Zusammensetzung der Gruppe. „Wir konnten keine Leute mit niedrigem Einkommen mehr nehmen. Wir mussten uns auf die besser verdienenden konzentrieren.“ In den wöchentlich stattfindenden Treffen sei es nicht immer leicht, die Interessen aller unter einen Hut zu kriegen. „Die Gründungsphilosophie war stark darauf ausgerichtet, dass wir ökologisch wohnen. Die Jüngeren, die später dazu gestoßen sind, finden zum Beispiel eine Solarstromanlage gar nicht mehr so wichtig“, sagt Küppers.

Kompromisse gefragt

Trotzdem ist die Baugruppe für ihn ein Gegenentwurf zur Profitgier von Investoren. Und letztlich auch eine Antwort auf den seriellen und meist phantasielosen Bau von Eigenheimen, wie er landauf landab in Deutschlands Städten zu beobachten ist. Einige Architekturbüros haben sich deshalb bereits auf Baugruppen spezialisiert. Auch Thomas Luczak sieht darin eine Möglichkeit als Architekt in den Städtebau einzugreifen. „Es gibt inzwischen immer mehr Bürger, die mit dem Wohnungsmarkt wenig anfangen können, aber in der Stadt bleiben wollen.“

Luczak hat sich mit viel Fingerspitzengefühl an die Wünsche der Bewohner herangearbeitet. Das von ihm entworfene Haus bietet 65 Quadratmeter große Appartements genauso wie dreigeschossige Maisonettewohnungen mit 130 Quadratmetern. „Es kommt keine Wohnung zweimal vor“, sagt Luczak stolz. Auch Utz Ingo Küppers ist trotz aller Querelen weiterhin von der Baugruppen-Idee begeistert. „Privat verstehen wir uns alle sehr gut. Ich möchte mit Menschen aus verschiedenen Generationen und Lebensbereichen zusammenwohnen. Auch wenn es viel Arbeit ist.“

Autorin: Sabine Oelze
Redaktion: Jochen Kürten

30. August 2011
von Paul
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Neue Nachbarschaften

Eine Idee, die wir in der Traunsteiner Seniorenhausgemeinschaft auch schon angesprochen haben, finde ich gerade im

Newsletter Gemeinschaftliches Wohnen Nr. 97 vom 30.8.2011
Ein Service des „Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. – Bundesvereinigung“ www.fgw-ev.de

Neue Nachbarschaften

Die Mitgliederversammlung des Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. hat angeregt das Thema „Neue Nachbarschaften“ stärker bekannt zu machen.

Gemeint sind damit nachbarschaftliche Zusammenschlüsse im Bestand, die eher nicht von Wohnprojekten oder von Institutionen ausgegangen sind. Bei der Mitgliedsorganisation Urbanes Wohnen e.V. in München schreibt man „Neue Nachbarschaften“ inzwischen groß. Für InteressentInnen am Gemeinschaftsorientierten Wohnen lohnt es sich, erst zu prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, die vorhandene Nachbarschaft zu gestalten, als ein Wohnprojekt zu stemmen.

Positiv formuliert sind Neue Nachbarschaften: Bürgerinnen und Bürger sprechen Nachbarn an, um für sich ein soziales Umfeld zu schaffen, diejenigen, die wollen, machen mit und die Gruppe trifft mehr oder minder verbindliche Vereinbarungen z.B. über Aktivitäten oder gegenseitige Hilfe, über eine Vereinsgründung oder eine gemeinsame Kasse. Wie wir alle wissen, werden solche Gruppen häufig auch nach außen in der Gemeinde aktiv.

Negativ abgegrenzt: Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind nicht gemeint, weil sie meist von Trägern ausgehen. Nachbarschaften im Kontext von Wohnprojekten sind für Menschen, die einfach da wohnen bleiben wollen, wo sie sind, kein Beispiel, weil die Voraussetzungen anders sind. Doris Knaier von Urbanes Wohnen e.V. sammelt gute Beispiele von Neuen Nachbarschaften und bereitet die Beiträge fuer eine spätere Broschüre auf. Bitte senden Sie Informationsmaterialien zu guten Beispielen aus Ihrer Gegend.

Info: doris.knaier@urbanes-wohnen.de
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