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Stadtplanung

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„Dass von den Völkern der Germanen keine Städte bewohnt werden, ist zur Genüge bekannt, auch dass sie nicht untereinander verbundene Wohnsitze ertragen. Sie wohnen getrennt und in verschiedenen Richtungen auseinander, wie ein Quell, wie ein Feld, wie ein Wäldchen Gefallen erregte. Dörfer bauen sie nicht nach unserer Art mit verbundenen und zusammenhängenden Gebäuden: jeder umgibt sein Haus mit einem freien Raum, ein Schutz gegen Unglücksfälle durch Feuer oder auch aus Unkenntnis im Bauen“ (Cornelius Tacitus, römischer Geschichtsschreiber, ca. 55-116, in „Germania“)

Urbanes Bauen und Leben

Urbanität (lateinisch urbs: „Stadt“) umschreibt Ideale wie Bildung, Weltläufigkeit, feines Wesen und Höflichkeit. Ein Gegenbegriff ist die „Rustikalität“. Das zugehörige Adjektiv ist urban, dessen Gegenbegriffe sind „rustikal“, „bäurisch“ oder (bildungssprachlich) „böotisch“.

Urbanität (urbanitas) war in der Rhetoriklehre der römischen Antike und des Mittelalters eine zentrale Stil- und Sprachqualität. Sie meinte eine verfeinerte Eleganz des Stils und den subtilen, distanzierten Witz. Hergeleitet vom Wort lat urbanus welches fein, vornehm und gebildet heißt, drückt sich damit der Charakter des städtischen Sozialgefüges, z.B. dem Adel oder der Aristrokatie, aus. Die exklusive Urbanität hingegen, bezeichnet in der Geographie einen Bodenschatz.

Urbanität beschreibt in der Sozialgeographie einerseits die durch funktionale Differenzierung gekennzeichnete Stadt, andererseits im sozialwissenschaftlichen Sinne eine durch städtische Lebensweisen geprägte Alltagswelt. Urbanität umschließt somit sowohl städtebauliche also auch funktionale, sozio-kulturelle und sozio-ökonomische Elemente einer Lebensumwelt, die als „typisch städtisch“ interpretiert werden kann. Urbanität ist zugleich ein normativer Leitbegriff und Merkmal für Stadtentwicklung und Städtebau. Als Zielkategorie umfasst Urbanität hier vor allem die Förderung funktionaler, baulicher, sozialer und kultureller Vielfalt in Städten, die Ausprägung unterschiedlicher sozialräumlicher Milieus und die Wahrung des Nebeneinanders privater und öffentlicher Räume in der Stadt.

Mit Urbanität wird soziologisch eine Lebensweise umrissen, wie sie in einer Groß- oder Weltstadt entstehen kann: das kritisch-kühle, wendige Verhalten des sich in zahlreichen sozialen Rollen bewegenden und informierten Großstädters im Gegensatz zum unkundig-einspurigen „provinziellen“ Verhalten der Landbevölkerung (vgl. Louis Wirth: Urbanism as a way of life, 1938), in der Nachfolge von Georg Simmels Die Großstädte und das Geistesleben).

Wir wollen eine geordnete städtebauliche Entwicklung und eine dem Wohl der Allgemeinheit entsprechende sozialgerechte Bodennutzung fördern und dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln. Insbesondere planen und unterstützen wir die Schaffung von Wohnungen und Arbeitsstätten, die ein Miteinander von Wohnen, Arbeit, Versorgung, Freizeit und Kultur im Sinne einer Stadt der kurzen Wege ermöglichen.

Soziale Elemente im Wohnquartier

Die menschenfreundliche Siedlung bietet Plätze, Zeichen, Merkmale, Objekte, die zum Verweilen und zum Plausch einladen. Diese sozialen Elemente der Architektur machen ein Wohnquartier erst zur Heimat. Je stärker die Identifikation mit dem Wohnumfeld ist, desto größer ist letztlich auch die Bereitschaft, für die Gestaltung seines Viertels auch Verantwortung mit zu übernehmen. Es ist dringend notwendig, wieder Siedlungsformen zu realisieren, die dem Miteinander der Menschen förderlich sind.

Straßen als Lebensraum zurück erobern

Der öffentliche Raum von heute ist weitestgehend für das Fahren und Abstellen von Kraftfahrzeugen optimiert worden, sollte aber dringend wiederbelebt werden und der Entstehung und Entwicklung von Gemeinschaftssinn, sozialen Aktivitäten und Vitalität dienen. Wir möchten aus den öffentlichen Flächen vor den Haustüren bewohnbare und belebte Außenräume machen, die zum Verweilen einladen und ungefährdetes Spielen der Kinder zulassen – auch wenn sie noch keinen Führerschein haben.

Für ein positives Miteinander, eine angenehme Nachbarschaft und soziales Leben ist es Voraussetzung, dass der Einzelne sich zurückziehen, ungestört und unbeobachtet sein kann. Wer sich nie zurückziehen kann, begegnet seinen Mitmenschen eher ablehnend oder gar aggressiv. Freistehende Eigenheime auf Parzellengrößen unter 800 Quadratmeter sind weniger förderlich für eine friedliche Nachbarschaft und das persönliche Ruhebedürfnis als Häuser, die mit guter Schalldämmung Wand an Wand stehen. Abstandsflächen zwischen Häusern kosten viel Geld, lassen sich kaum akzeptabel gestalten und sind oft Anlass für Streitigkeiten.

Eine geschickte Siedlungsplanung schafft für jedes Haus eine lebhafte öffentliche und eine ruhige private Seite, Erholung und Geborgenheit auf der einen und urbanes Leben auf der anderen Seite. Eine geschlossene Bebauung ist wie eine Lärmschutzwand. Bei freistehenden Häusern dagegen findet eine Kreischsäge oder ein defekter Auspuff volle Aufmerksamkeit im ganzen Quartier.

Urbanität: städtisch, gebildet, geistreich.

Die Mischnutzung, also Wohnungen, Restaurants, Geschäfte, emissionsarme Gewerbe, Kinos und Theater in einem Viertel, reduziert Verkehr und bricht die Anonymität, die nicht nur in Großstädten sondern auch in den Schlafsiedlungen der Eigenheimer zu Hause ist. In gemischten Stadtvierteln können Menschen wirklich leben und nicht nur schlafen. Die Beeinträchtigungen durch Gewerbe sind heute nicht mehr so groß, dass man Wohnen und Arbeiten strikt trennen muss.

Man kann davon ausgehen, dass ohne städtebauliche Konzentration die kulturelle Entwicklung nicht so fortgeschritten wäre, wie es tatsächlich der Fall ist. Mit baulicher Dichte verbindet sich Information, Nachbarschaft, kulturelles Leben, Vielfalt, mit einem Wort: Urbanität.

Stadt der kurzen Wege

Nach landläufiger Überzeugung kann der Wunsch nach schönem Wohnen mit sicheren Spielgelegenheiten für die Kinder nur im Eigenheim auf dem Land erfüllt werden kann. Die Nutzung der dörflichen Randbereiche für Wohnzwecke bringt aber Trennungen von Hof und Feld durch Wohngebiete mit sich. Das beeinträchtigt sowohl den landwirtschaftlichen Funktionsablauf als auch die Wohnqualität der neuen Siedler.

Bauland ist dort am billigsten, wo es an allem fehlt, was man zum Leben braucht. Die Ansprüche an die Lebensqualität werden weiterhin in der Stadt befriedigt. Die alten Zentren können aber ihrer Funktion nicht mehr gerecht werden, wenn ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung in schlecht versorgten Schlafsiedlungen wohnt. Diese Menschen sind für alle Aktivitäten außerhalb der Wohnung auf das Auto angewiesen. Sie brauchen Parkplätze und Straßen, wo immer sie hinkommen.

Eine Stadtplanung mit menschenfreundlicher Nutzungsmischung bei hoher Bebauungsdichte verringert den Transportbedarf und die Zahl der Privat-PKW, hält Wegstrecken kurz und damit das Verkehrsaufkommen gering, die Flächen für ruhenden und fließenden Verkehr können reduziert werden. Werden Wohnungen, Restaurants, Geschäfte, emissionsarme Gewerbe, Kinos und Theater im selben Stadtviertel angesiedelt, können Menschen in diesem Quartier angenehm leben und nicht nur dort schlafen. Die Beeinträchtigungen durch Gewerbe sind heute nicht mehr so groß, dass man Wohnen und Arbeiten strikt trennen muss.

Bevor neue Baugebiete außerhalb der zusammenhängenden Orte erschlossen werden, müssen die Lücken innerorts geschlossen werden. Dort ist die notwendige Infrastruktur vorhanden, wird aber zum Nachteil der Bürger, die sie bezahlt haben, nicht voll genutzt.

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