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Zärtlichkeit für ein Tier

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Als ich kürzlich meine Küche betrat, huschte eine Katze an mir vorbei. Ich konnte nur wahrnehmen, dass sie klein und schwarzfellig war. Jeden Abend stellte ich nun zwei Schalen mit Milch und Fleisch auf das Fensterbrett; sie waren jeden Morgen leer. Doch meinen Gast bekam ich lang nicht mehr zu Gesicht. Eines Nachts konnte ich ihn aus gebührendem Abstand betrachten. Aber schon die geringste Bewegung scheuchte ihn fort. Viele Male bezog ich meinen Beobachtungsposten, redete leise und beschwichtigend auf das scheue Tier ein, bis ich mich allmählich nähern durfte und es berühren. Ich merkte, dass es sich um ein arg zerschundenes Geschöpf handelte. Mit großem Misstrauen und unter ängstlichen Zuckungen ließ es sich schließlich liebkosen und auf den Schoß nehmen. Ich stellte fest, dass es ein junger Kater war.
Inzwischen hat Dominik die Annehmlichkeit der Nähe erfasst. Das unentbehrliche Lebenselixier ist der Körperkontakt zu mir. Auch jetzt, während ich über ihn schreibe, kuschelt er auf meinem Schoß und schläft, alle viere selig von sich gestreckt. Eigentlich ist das artfremdes Verhalten. Katzen haben einen sehr ausgewogenen Sinn für Nähe und Distanz. Ihr Anlehnungsbedürfnis ist gemäßigt durch einen unbezähmbaren Stolz. Dominik hat offenbar einen großen Nachholbedarf.

Entnommen aus: Gertrud Sutter: „Zärtlichkeit für ein Tier“ in: „Nähe“, Themenheft 25 der Arbeitsgemeinschaft Frauenseelsorge Bayern, Schleißheimer Straße 466, München 1980, S. 29

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